Frauen in IT-Berufen
In den IT-Ausbildungsberufen sind junge Frauen mit etwa 12 % immer noch eine Minderheit. Das Informatikstudium wird nach wie vor nur von wenigen Frauen gewählt. Der Frauenanteil liegt unter 20 %. Die Ursache hier liegt möglicherweise an der Tatsache, dass sich junge Frauen immer noch an dem weit verbreiteten Klischee der IT-und Internet-Branche als orientieren, die als zu technisch und damit als nicht besonders frauenfreundlich gilt?
Betrachtet man das Arbeitsfeld Internet genauer, bieten sich eigentlich sehr gute berufliche Chancen für Frauen: Das Internet hat sich ähnlich wie die Informationsechnologie von einer rein technischen Angelegenheit zum universellen Arbeitsmittel weiterentwickelt: Kommunikation statt Programmierung, interdisziplinäre Anwendungen statt IT- Algorithmen, Einsatz im Handel und Marketing statt Konzentration auf technische Entwicklung – so stellt sich das heutige Internet gerade auch im Übergang zum Web 3.0 dar.
Neue Tätigkeitsfelder im E-Commerce, E-Learning und in der Online-Beratung setzen keine technische Ausbildung voraus, sondern verlangen vielmehr interdisziplinäre Fertigkeiten und Fachkenntnisse. Das Internet wird zunehmend zum Informati- ons-, Kommunikations-, Lern- und Dienstleistungsmedium. Damit haben Frauen aus ihren bevorzugen Fachrichtungen wie z.B. Design, Marketing oder auch Sprachwissenschaften gute Chancen.
Auch in Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben Berufe rund ums Internet und in der IT- Branche einiges zu bieten. Räumliche Unabhängigkeit, zeitliche Flexibilität, Telearbeit können gerade für Frauen mit kleinen Kindern Spielräume eröffnen, die sie brauchen, um beidem gerecht zu werden. Entsprechende Akzeptanz in den Unternehmen ist dafür natürlich eine Voraussetzung.
Positive Entwicklungen sind auch schon erkennbar, vorwiegend in Berufen und Studienrichtungen, die sich nicht mit reiner Informatik, sondern mit anwendungsorientierten Fragestellungen befassen. Einen hohen Anteil haben z.B. junge Frauen bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in den Medienberufen, wie zum Beispiel bei den Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste mit 77 % und den Mediengestaltern für Digital- und Printmedien mit 53 %. Alles Ausbildungen für Berufe auch für und in der Internetbranche. Auch bei Studiengängen wie z.B. Bioinformatik oder Medieninformatik liegt der Frauenanteil über dem Durchschnitt.
Eine wachsende Branche mit guten Chancen für Frauen – das ist eine große Herausforderung für die Politik, die Hochschulen, die Unternehmen und Verbände, um jungen Frauen bei der Berufswahl, Wiedereinsteigerinnen nach der Familienphase und arbeitssuchenden Frauen neue Perspektiven zu eröffnen.